Fachtag Eltern-Kind-Bindung im Wandel der Zeit

Impressionen zum Fachtag „Eltern- Kind- Bindung im Wandel der Zeit" am 09.09.2017

 

Ein Artikel von Regine Nagel

 

Hauswirtschaftsleiterin, Mitarbeiterin im Kinderschutzbund, Ogata-Angestellte des Jugendamtes, verheiratet, Mutter einer 16-jährigen leiblichen und einer 11-jährigen Pflegetochter

 

 

 

Mein Besuch auf dem von Margit Holtschlag und befreundeten Fachleuten organisierten Fachtag zur Bindungs- und Beziehungsarbeit war eher meiner Freundschaft zu Margit als meinem Interesse an den Themen geschuldet. Ich kam, weil Margit eine gute Freundin ist und sie mir mit viel Begeisterung von den Vorbereitungen der Beiträge des Fachtages berichtet hatte.

 

Das, was ich dann mit nach Hause nehmen konnte, hat mich tief berührt.

 

Den Auftakt der Vorträge bildete der Vortrag „Wir Kinder der 60er" von Margit, der mich, auch Jahrgang 1967, genau betraf. Hier konnte ich sehr viel mitnehmen, was mich veranlasste, meine eigene Kindheit und Jugend aus der Sicht meiner Eltern noch einmal zu beleuchten und das eine oder andere besser zu verstehen. Mir war  nicht bewusst,  wie sehr die Erziehung damals auch von den Kriegserlebnissen unserer Eltern geprägt wurde. Hier werde ich jetzt sicher noch mehr hinterfragen. Auch wurde deutlich, dass das Überleben der eigenen Geburt in dieser Zeit noch nicht nahezu selbstverständlich war,  und wir bekamen einen Einblick in die Erziehungsliteratur der 50er und 60er Jahre.

 

Danach gab es einen Vortrag über Babymassage und Babysignale, und auch dort konnte ich im Nachhinein noch einige Verhaltensweisen meines nun schon großen „Babys“ deuten.

 

Der dritte Vortrag von Nicole Müller erläuterte auf sehr anschauliche Weise den „Kreis der Sicherheit“ - Basislager und Hafen im Erziehungsalltag. Dieser Vortrag hat mir sehr deutlich gemacht, mit welchem einfachen und verbindlichen Verhalten wir bei unseren Kindern erreichen können, dass sie gut und sicher gebunden sind. Eine gute und sichere Bindung ist letztendlich existentiell wichtig für ein gelungenes und ein den Widerständen trotzendem Leben. Mir ist bewusst geworden, dass man in jedem Abschnitt seines Lebens noch eine Basis und ein Hafen für andere Menschen sein kann, eine gute Erkenntnis! Dieser Vortrag sollte zum Pflichtprogramm für alle werdenden Eltern werden. Es wäre ebenfalls wichtig, ihn im Rahmen der Schulungen für Pflege- und Adoptiveltern zu integrieren, denn hier spielt das Thema "Bindung" und "sicherer Hafen" eine besonders wichtige Rolle, mit ganz besonderen Herausforderungen.

 

 Anschließend kam der Vortrag „Die neuen Väter“ von Jürgen Grah, selbst Vater, Tagesvater und Kursleiter für Babymassage für Väter, der sich mit der Rolle des Vaters bei der Geburt und auch danach beschäftigt. Jürgen konnte sehr anschaulich berichten, dass Vater sein nur dann geht, wenn die Mutter den Vater auch lässt.

 

Auch wenn ich mir sicher war, mich mit meinem Mann über das Für und Wider seiner Anwesenheit bei der Geburt unserer Tochter unterhalten zu haben, so wurde mir doch bewusst, wie wenig Beachtung den Sorgen, Ängsten und Bedürfnissen der Väter auch noch im Jahr 2001 geschenkt wurde. Auch wir waren natürlich in einem Geburtsvorbereitungskurs, aber ich kann mich nicht erinnern, dass die Väter dort Thema waren, währenddessen sich alles um die werdenden Mütter drehte und die Väter eher Statisten waren. Hier besteht noch dringender Kommunikationsbedarf. Die Geburt und die spätere Verantwortung für das Baby sollte die Chance haben, für alle Beteiligten zu einer besonderen und glücklichen Zeit werden zu können. Wir Frauen müssen hier noch lernen, den Vätern mehr Raum zu geben.  Wir sollten verinnerlichen, dass Vater- und Mutterliebe gleichwertig sein sollten. Väter  wollen nicht als Babysitter fungieren müssen, sondern sie wollen Teil des Ganzen sein.

 

Diese vier inspirierenden  und nachhaltig beeindruckenden Vorträge waren eingerahmt in einem von befreundeten Jugendlichen vorgetragenem Lied von Frieden und Versöhnung, schönen Filmen sowie mit Musik und Texten unterlegten Bildpräsentationen aus den Babymassagekursen von Margit und Jürgen und dem Lieblingsbuch „Ich werde dich immer lieben“ von Nicole.

 

Abschließend lässt sich noch sagen, dass die anwesenden jungen Mütter mit Säuglingen unter einem Jahr die beste Werbung für eine gute und gelungene Bindungsarbeit waren. Alle Babys waren zufrieden und ausgeglichen, und wie ich im zweiten Vortrag von Margit gelernt hatte, „gut reguliert“.

 

Das zeigt, wie wichtig das Thema Bindung mit den vielen auf diesem Fachtag gezeigten Facetten ist.

 

Danke an Margit Holtschlag, Nicole Müller und Jürgen Grah für die vielen neue Erkenntnisse und Denkanstöße!

 

Margit Holtschlag ist Fachkinderkrankenschwester für ambulante Pflege und baut gerade in der Uni-Klinik eine neonatologische Elternberatung auf. Auch nebenberuflich hat sich auf Beratungen zum Stillen, Schlafen und Schreien sowie auf Babymassage & Babysignale sowie erste Hilfe Kurse spezialisiert.

 

www.babymassage-duesseldorf.de

 

Nicole Müller ist Familiengesundheits- und Kinderkrankenschwester und arbeitet an der Uni-Kinderklinik Heidelberg in der “Anlaufstelle Frühe  Hilfen“.

 

Zudem ist sie Systemische und Entwicklungspsychologische Beraterin für die frühe Kindheit.

 

Jürgen Grah ist als Tagesvater, Babymassagekursleiter für Väter und Life-Kinästhiktrainer selbständig

 

www.vater-babymassage-duesseldorf.de

 

Alle drei halten regelmäßig Vorträge und Seminare für Eltern und Fachpersonal und sind Eltern heranwachsender Kinder.