Weinen oder der Umgang mit Tränen

Weinen oder der Umgang mit Tränen

 

Weinen ist etwas, was in unserer Gesellschaft  nur schwer akzeptiert werden kann. Oft versucht versuchen wir es zu vermeiden oder gar zu unterdrücken.  Doch warum? Ist uns der Sportler der nach dem Sieg vor Freude weint, etwa nicht sympathisch?

 

Viele von uns haben noch eine Erziehung genossen, in der weinen ein Zeichen von Schwäche war. Statt zu weinen wurden wir beruhigt oder gar abgelenkt. Ist es trotzdem mal zu den Tränen gekommen, waren die Umstehenden oft sprachlos, ohne diese Sprachlosigkeit benennen zu können. Wir durften in solchen Situationen aber manchmal auch die Erfahrung machen, dass weinen etwas Befreiendes hatte,  dass weinen auch etwas gelöst hat, was uns vorher unlösbar erschien.

 

Kleine Kinder haben noch keinen ausreichenden Wortschatz, um zu benennen, wenn sie überfordert oder übermüdet sind. Sie sind mit manchen Situationen überfordert und erkennen oft nicht den richtigen Zeitpunkt, um aus einer anstrengenden Situation aus zu steigen. Auch Müdigkeit nehmen sie oft erst einmal nicht wahr. Müdigkeit und Anstrengung sind aber gerade bei ihnen häufig Auslöser für das Weinen. Lenken wir sie dann aber, überfordern wir sie weiter, anstatt ihnen die Chance zu geben, Anspannung zu lösen.

 

Wir müssen nicht immer die perfekte Lösung parat haben, wenn jemand weint, viel wichtiger ist es,  demjenigen Akzeptanz. Liebe und Präsenz zu zeigen. Es ist wichtig, Halt zu geben, wenn dieser benötigt wird. Halt geben und aus-halten ist in einer von Aktionismus geprägten Gesellschaft, die gerne schnelle Lösungen parat hat, nicht leicht. Doch es ist wichtig. Es ist wichtig, damit wir lernen, Krisen auch als Chancen zu begreifen und damit wir lernen, das Leben in all seinen Facetten zu meistern.

 

Wir sollten drüber nachdenken, was wir unseren Kindern mitgeben möchten. Die Illusion in einer heilen und stressfreien Welt zu leben, oder den gefestigten Glauben in die eigene innere Stärke, in den Glauben, Krisen meistern zu können und dabei ein Stück weiter zu sich selber zu finden.

 

Krise und Wachstum sind in der chinesischen Sprach ein und dasselbe Wort.

 

© Margit Holtschlag 2017